Vom Wohnsitz der preußischen Prinzessinnen zur innovativen Plattform für Kunst, Kultur und Sport: Für das PalaisPopulaire wurden die Räume des historischen Prinzessinnenpalais vom renommierten Berliner Architekturbüro Kuehn Malvezzi neugestaltet. Hinter der Barockfassade verbergen sich heute modernste Technik und eine zeitgemäße, klare Architektur. In dem Gebäude spiegelt sich die bewegte Geschichte Berlins. Es erzählt von Prinzessinnen und Kriegen, aber auch von der Moderne in der DDR.

Ein preußisches Haus: Das Prinzessinnenpalais und die Hohenzollern

Die Geschichte des Prinzessinnenpalais beginnt mit zwei 1730 am Berliner Festungsgraben errichteten Häusern. Diese verbindet der preußische Architekt Friedrich Wilhelm Diterichs (1702–1782) durch einen zentralen Vorbau zu einem neuen, quer zur Prachtstraße Unter den Linden stehenden Palais. 1740 entsteht der anliegende Barockgarten, zu dem auch eine Orangerie gehört. Der Garten ist ummauert und nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Später wird er nach dem Geschmack der Zeit in einen Landschaftsgarten verwandelt. 1755 erwirbt der „schlimme Markgraf“, Friedrich Heinrich von Brandenburg-Schwedt (1709–1788), das repräsentative Gebäude.
Prinzessinnenpalais
Prinzessin Charlotte von Preußen (1798 - 1860)
© bpk/Stiftung Preussische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg/ Roland Handrick
Prinzessinnenpalais
Prinzessin Alexandrine von Preußen (1803 - 1892)
© bpk/ Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, SMB/ Jörg P. Anders
Als das Palais nach dessen Tod 1788 an die preußische Krone verkauft wird, ist Prinz Friedrich Ludwig Karl von Preußen (1773–1796) mit seiner Frau Friederike und den drei Kindern einer der ersten Bewohner. Nach seinem frühen Tod und dem Wegzug seiner Witwe bestimmt das preußische Herrscherpaar König Friedrich Wilhelm III. (1770–1840) und Königin Luise (1776–1810) mit Blick auf die immer größer werdende Familie das Palais zum Wohnsitz ihrer drei damals noch kleinen Töchter: den Prinzessinnen Charlotte (1798–1860), Alexandrine (1803–1892) und Luise (1808–1870). Seitdem trägt das Gebäude den Namen Prinzessinnenpalais. Vor dem Bezug wird es jedoch noch ausgebaut.
1809, ein Jahr vor ihrem Tod, bittet Königin Luise den von einer Italienreise zurückgekehrten Künstler und Architekten Karl Friedrich Schinkel den Kopfbau des Prinzessinnenpalais zu entwerfen. Der junge Schinkel wird zu dieser Zeit gerade bekannt und versucht in Berlin Fuß zu fassen. Sein Entwurf zeigt eine repräsentative Architektur, die das Bauwerk zur Straße Unter den Linden hin auf elegante Weise öffnet. Doch Schinkels Version ist dem König zu teuer. Deshalb kommt der zurückhaltendere Entwurf des damaligen Oberhofbaurats und Direktors der Berliner Schlossbaukommission, Heinrich Gentz (1766–1811), zur Ausführung. Schinkel darf lediglich den als „Schwibbogen“ gestalteten Übergang zum Kronprinzenpalais gestalten. Gentz stirbt 1811, im Jahr der Fertigstellung des Palais.
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Prinzessin Luise von Preußen (1803 - 1892)
© bpk/ Kupferstichkabinett, SMB/ Volker-H. Schneider
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Franz Krüger: Parade auf dem Opernplatz zu Berlin
© bpk/ Nationalgalerie/ SMB/ Jürgen Liepe

In Franz Kuglers berühmtem Gemälde „Parade auf dem Opernplatz zu Berlin“ (1824–1830) sieht man die höfische Gesellschaft – die Prinzessinnen und ihre Begleiterinnen – in prunkvollen Roben aus dem Fenster schauen, während auf der Straße Unter den Linden der König zusammen mit seinem Schwiegersohn, dem russischen Zaren Nikolaus, der Prinzessin Charlotte geheiratet hatte, die Parade abnimmt.

Nach dem Auszug der Töchter wird das Palais ab 1824 zum Wohnsitz für die Fürstin Liegnitz (1800–1873), mit der sich Friedrich Wilhelm III, 1824, dreizehn Jahre nach dem Tod von Luise, insgeheim vermählt hatte. Der König hatte die junge Gräfin 1822 während einer Kur im böhmischen Bad Teplitz kennengelernt. Die Verbindung ist für den 54-Jährigen problematisch, da die Fürstin nicht aus regierendem Hause stammt, 30 Jahre jünger und zudem noch katholisch ist. Nach dem Tod des Königs wohnt sie weiter im Prinzessinnenpalais.

Bis zum Ende des Kaiserreiches wird das Prinzessinnenpalais von diversen Persönlichkeiten der Familie bewohnt. Wenige Tage nach der Novemberrevolution 1918 wird das Vermögen der Hohenzollern beschlagnahmt und ab jetzt vom preußischen Finanzministerium verwaltet. Zwar hält die Auseinandersetzung um die sogenannte Fürstenenteignung noch bis 1926 an, doch das Prinzessinnenpalais geht in die Verwaltung der Staatlichen Museen über – ebenso wie das benachbarte Kronprinzenpalais, in dem die Nationalgalerie unter Ludwig Justi ab 1919 ihre Werke der Moderne in einer „Galerie der Lebenden“ präsentiert. Am 13. März 1931, zum 150. Geburtstag Schinkels, eröffnet im Prinzessinnenpalais das Schinkel-Museum. Gemälde, Zeichnungen und Skizzen zeigen hier die Vielfalt seines Werks. Das Museum muss allerdings nach nur zwei Jahren Laufzeit seine Pforten wieder schließen.
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Kronprinzenpalais "Unter den Linden"
© bpk
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Ruinen des Prinzessinenpalais nach dem Zweiten Weltkrieg
© bpk

Bewegte Zeiten: Das Prinzessinnenpalais nach dem Zweiten Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg werden große Teile der historischen Mitte Berlins zerstört – so auch das Prinzessinnenpalais und die benachbarte Staatsoper. Der bereits in den frühen 1950er-Jahren geplante Wiederaufbau verzögert sich so lange, bis die ausgebrannte Ruine des Palais 1962 schließlich instabil wird und abgetragen werden muss. Wie die Oper wird auch das Prinzessinnenpalais nach Plänen von Richard Paulick (1903-1979) wiederaufgebaut – für eine neue Nutzung als ‚Operncafé’. Der ehemalige Assistent von Walter Gropius am Bauhaus in Dessau kombiniert, wie von der Staatsführung der DDR gewünscht, eine historische Rekonstruktion im Außenbau mit modernsten Lösungen im Inneren. Dort bezieht er aber auch historische Reminiszenzen mit ein, so etwa das schmiedeeiserne Treppengeländer aus Schloss Buch, wie das Palais ein Bau von Diterichs, und einem blauen, von Schinkel inspirierten Sternenhimmel.

Am 25. Dezember 1963 feiert das Operncafé seine Eröffnung. Kurz danach wird auch der im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstörte, ehemals private Prinzessinnengarten als öffentliche Grünanlage wiederhergestellt. Hier finden auch die Generalsstandbilder, die früher an der Straße Unter den Linden aufgestellt waren, ihren neuen Platz. Das Prinzessinnenpalais mit Operncafé, Opernbar, Weinstube und Grillrestaurant entwickelt sich rasch zu einem beliebten Treffpunkt für Berliner und Touristen. Das Operncafé fungiert auch als Drehort für eine der erfolgreichsten DEFA-Produktionen, „Die Geschichte von Paul und Paula“. Hier gehen Paul und Paula, die beiden Protagonisten des 1973 entstandenen Kultfilms, tanzen. Auch für die Schwulenszene der DDR veranstaltet das Operncafé wöchentliche Disco-Abende.

Nach der Wiedervereinigung geht das Palais in den Besitz der Treuhand über. Es folgt die Wiedereröffnung des Cafés unter dem Namen Opernpalais. Dafür wird das Ambiente radikal verändert: Paulicks modernes Design weicht einer im Rokoko-Stil gehaltenen Einrichtung. Dank der größten Torten- und Kuchenauswahl Europas und der großen Gartenterrasse wird das Haus erneut zu einem Besuchermagneten und lockt viele Prominente an, etwa Königin Silvia von Schweden, die Schauspieler Alain Delon und Sophia Loren oder Startenor Placido Domingo. Als das Gebäude umfassend saniert werden muss, schließt das Café 2012.

Ab 2017 wird die Deutsche Bank Mieterin des Hauses und lässt das Innere des Gebäudes von dem renommierten Berliner Architekturbüro Kuehn + Malvezzi als eine neue Plattform für Kunst, Kultur und Sport komplett umbauen. Auf drei Etagen entstehen großzügige Räume für Ausstellungen, Events und Bildungsangebote. Im Erdgeschoss befindet sich wieder ein Café mit Gartenterrasse, das an die Tradition des Hauses anknüpft. Im Herbst 2018 wird das ehemalige Prinzessinnenpalais als PalaisPopulaire eröffnet.

Das Operncafé als beliebter Aufenthaltsort der Berliner um 1963
© Creative Commons CC-BY-SA 3.0

Die Legende von Paul und Paula (1973)
© PROGRESS Filmverleih GmbH

Das Operncafé als beliebter Aufenthaltsort der Berliner um 1963
© Creative Commons CC-BY-SA 3.0

Die Legende von Paul und Paula (1973)
© PROGRESS Filmverleih GmbH